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Praktikumsbericht [Dänemark Aalborg, Portland Cementir Holding]

Moin,

du willst ein Auslandspraktikum machen, bist dir aber noch unsicher, fragst dich welche Kosten auf dich zukommen könnten oder ob es sich für dich überhaupt lohnt? Dann bist hier genau richtig, denn diese und weitere Fragen werden sich im Verlauf meines Berichts klären.

[Vorbereitung]

Das Auslandspraktikum fängt schon nach der Bestätigung des Erasmus+ Platzes an. Der E-Mail-Verkehr geht los und man erhält Informationen von beiden Partner-Organisationen. Von der entsendenden Organisation Arbeit und Leben, Hamburg habe ich folgende Nachrichten erhalten: Bestätigung, Information zur Unterkunft, Einladung zum Vorbereitungsseminar, Europass-Mobilitätsnachweis und nach dem Praktikum eine Einladung zum Online-Feedback. Der Kontakt zur Empfänger-Organisation Aalborg Institute of Development, Dänemark verlief hauptsächlich über Online-Meetings zum Kennenlernen, Auswahl/Information des Betriebs, Vorstellung mit dem Ansprechpartner des Betriebs und zur Koordinierung der Ankunft. Denn eine gute Vorbereitung ist das A und O bei einem solchen Unterfangen.

[Kosten]

Von dem Erasmus+ Stipendium sind die Kosten der Unterkunft für den Aufenthalt vollständig gedeckt, dazu kommt eine kleine Tagespauschale und ein fester Anreisekosten-Zuschuss. Ich habe bspw. die Anreisekosten und die Tagespauschale für den gesamten Zeitraum zusammen überwiesen bekommen. Mit einer Summe von 468,00 Euro wird einem schnell klar, dass das über den ganzen Monat für Essen, Trinken, Ausflüge, Kino, etc. in meinem Fall nicht ausreicht. Daher ist es zu empfehlen, entweder ein bisschen Geld extra anzusparen oder wenn die Option besteht, seine Eltern nach Taschengeld zu fragen. Ich würde sagen mindestens 300-500 Euro, da in Dänemark die Mehrwertsteuer höher ist als in Deutschland es ist insgesamt ein klein wenig teurer. Nach Abschluss des Auslandspraktikums erhält man aber jedoch 80-100 Euro je nach Reise Art Green Travel (100 Euro) oder ohne (80 Euro).

[Unterkunft]

Bei der Unterkunft kann man davon ausgehen, dass es sich um eine WG handelt, aber ob es eine Wohnung oder ein Haus ist kann schnell variieren. Wie ich auch bei mir erfahren habe, denn ich wurde mit zwei anderen Teilnehmenden nach Aalborg entsendet und einer Wohnung zugeordnet. Aber bei unserer Ankunft wurde ich wegen den Räumen, die verfügbar waren, einem Haus zugeordnet. Generell sind die WGs aber gleich aufgebaut, es gibt eine gemeinsame Küche und Badezimmer/WC mit allem was dazu gehört. Ein gemeinschaftliches Wohnzimmer (kein Fernseher) und die übrigen Räume sind Einzel-/Doppelzimmer. Die Zimmer sind grundlegend ausgestattet, sprich mindestens ein Bett und Schrank, aber es kann auch wieder variieren, bspw. hatte ich auch noch einen Arbeitstisch und einen kleinen Vorraum zu meinem Zimmer, in dem sich mein Schrank befand.

[Erfahrung]

Wenn man nun endlich, bei mir Aalborg, ankommt und seine Unterkunft bezogen hat, erwarten einen in den ersten Tagen zwei tolle Ereignisse. Das erste ist die Stadttour mit Vertretern der Empfänger-Organisation (Aalborg Institute of Development) mit anschließender Transportmittel(Fahrrad)-Versorgung, damit man mobil ist in der Stadt, die man eben ausgiebig kennengelernt hat. Mit den Essentials der Stadt und praktischen Tipps und Hinweisen wo günstige Angebote zu finden sind. Tipps wie die Stadtbibliothek, in der man auch Dokumente drucken oder Einscannen kann, sehr hilfreich wenn man bspw. Stundenzettel ausdrucken muss. Günstige Kinos und Museen, die es wert sind sie in seiner Freizeit aufzusuchen. Aber auch gemütliche Cafés oder einladende Einkaufsstraßen mit Kaufhäusern, auf denen sich Aussichtsplattformen befinden für schöne Aufnahmen der Skyline oder um einfach nur den Anblick auf sich wirken zu lassen, bringt man hier in Erfahrung. Das zweite tolle Ereignis ist der “erste Arbeitstag“, bei dem ich mit meinem Ansprechpartner des Betriebs eine Tour durch die gesamten Abteilung macht in der man arbeitet und schon erste Einblicke kriegt was einen die kommenden Wochen erwartet. Für mich war das tolle an diesem Ereignis, als ich zum ersten mal in das Labore bekommen habe. Das Besondere war nicht nur der Fakt, dass dieses Labor komplett automatisiert war, sondern hauptsächlich, dass sich die fast anderthalb Jahre an Ausbildung ins Gedächtnis zu rufen und dann die Anwendung davon in der freien Wirtschaft vor Augen geführt zu bekommen. Ab dem zweiten Arbeitstag, ausgestattet vom Betrieb mit Sicherheitseinweisung, Keycard, Warnweste, Helm, Stahlkappen-Schuhe und Schutzbrille, ging es auch schon los. Meine Tätigkeiten umfassten ein breites Anforderungs-Spektrum an fachbezogenen Aufgaben:
1. Wassergehaltsbestimmung
2. Bestimmung der Kohle-Partikelgröße mit Siebtürmen
3. Bestimmung von Kohlenstoff- und Schwefelgehalt mit dem LECO CS 230 Elementaranalysator
4. Glühverlustbestimmung
5. Herstellung von Glasplatten für die XRF-Analyse mit Muffelofen und Gussformen
6. XRF-Analyse mit dem D8 Endeavor
7. Spektrometrische Analysen
8. Protokollierung der Messergebnisse
9. Probennahme aus Silos nach DIN 19698-2
10. Zementanalysen nach EN-Normen

Die interessanteste Analyse war die XRF (X-ray fluorescence) Analyse. Bei Anwendung solcher aufwendigen und komplexen Analysen im Ausland eignet man sich aber auch Fertigkeiten an, z.B. schneller oder komplett eigenständig mit neuen Geräten zu arbeiten. Denn die Betriebsanleitung oder Einweisung am Gerät waren auf englisch, wodurch das kritische Denken der eigenen Person gefragt und zeitgleich dadurch auch gestärkt wurde.

[Information zum Betrieb]

Jährlich produziert Aalborg Portland über 13 Millionen Tonnen Zement, grau und weiß. Zu den vom Unternehmen hergestellten Zementen gehört insbesondere weißer Zement, wofür Aalborg Portland als einer der Marktführer auf der Weltbühne angesehen wird, mit einem Anteil von etwa 20-25%. Auch zur Entwicklung nachhaltiger Produkte hat sich Aalborg Portland mit dem innovativen Ansatz zur Verringerung von CO2-Emissionen im Zementbereich beschäftigt. Dabei haben sie FUTURECEM (CCC) entwickelt. Diese innovative Produktlösung mit geringen Emissionen ersetzt umweltschädlichen Klinker durch Kalkstein und kalzinierte Tone, was den Bau umweltfreundlicher macht. Zusätzlich zum normalen Zement vertreibt Aalborg Portland sogar andere qualitativ hochwertige Produkte, darunter UHPC (Ultra-Hochleistungsbeton), GFRC (glasfaserverstärkten Beton) und 3D-Beton. Aalborg Portland ist bestrebt, nachhaltigen Zement zu produzieren und alternative Brennstoffe in der Produktion zu verwenden. Dies hilft, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und CO2-Emissionen während der Produktion zu reduzieren. Ein Projekt des Unternehmens ist die Verflüssigung von CO2, was dazu beitragen soll, die Umweltbelastung durch die Zementproduktion erheblich zu verringern.

[Freizeit]

In meiner Freizeit habe ich mit den zwei anderen Teilnehmenden Ausflüge unternommen. Z.B sind wir nach Skagen an den Strand gefahren, um das Aufeinandertreffen der Ost- und Nordsee zu betrachten und die Sonne und die schöne Landschaft zu genießen. Aber auch kulinarisch gab es vieles zu entdecken, von originalen Ramen Nudeln über Bowls sämtlicher Ausführungen bis hin zum traditionellen dänischen Essen gab es keinen Weg drum herum, ein Foodie zu werden, der das breite Angebot nicht hätte schätzen können. Außerdem darf der Besuch eines Kinos natürlich nicht fehlen. die Wahl des Films fiel auf Gladiator 2. Alle Filme in Aalborg waren grundsätzlich auf englisch, so hat man selbst als Gast eine große Auswahl an Filmen die man schauen kann. 
Ich bin auch einer Empfehlung meiner Arbeitskollegen gefolgt, die mich zur berühmt berüchtigten “Bierstraße“ führte, wo sich ein Pub neben den anderen aneinanderreihte. Meine Wahl eines vertrauenswürdigen Etablissements fiel auf den Old Irisch Pub, in welchen ich verschiede Craft-Biere und einheimische Sorten probiert habe. Zur Erholung nach harten Arbeitstagen bin ich in die Sauna gegangen, um Geist und Körper bei +80 °C zu entspannen und beim Sprung in den Fjord mit eiskalten Temperaturen wieder zu festigen. Sportliche Aktivitäten habe ich auch nicht vernachlässigt, denn im Betrieb gab es ein Gym und Badmintonhallen, zu denen ich immer mittwochs nach der Arbeit zum Badminton spielen eingeladen wurde. Jedoch hat es auch schon gereicht, ein Spaziergang durch die Stadt zu machen und immer wieder neue Sachen zu entdecken.

[Tipps]

Kosten: Wenn man mit dem Auto fährt, empfiehlt es sich, von hier einen Einkauf mitzunehmen, um Kosten in der ersten Woche zu reduzieren.
Erfahrung: Die Wahl des Betriebs ist entscheidend für die Tätigkeiten und somit in direkter Korrelation mit der Qualität des Aufenthalts.
Schule: Achtet auf den Zeitraum des Praktikums. Ich kam nämlich zwei Wochen nach den Anderen aus dem Praktikum und zwar direkt zu den Klausuren.
Unterkunft: Nehmt ein Kissen mit Leute. ^^

[Belohnung]

Im Ausland zu arbeiten im Rahmen dieses Erasmus+ Programms fordert eine hohe Leistungsbereitschaft, organisatorische Fähigkeiten und Fremdsprachen-Kenntnisse. Als Belohnung erwartet einen nicht nur die Erfahrung auf der Arbeit und Erlebnisse in der Freizeit, sondern auch die Zertifikate, Arbeitszeugnisse und die Dokumente für ein abgeschlossenes Praktikum im Ausland. Diese Zertifikate und Arbeitszeugnisse werden bei späteren Arbeitgebern als höhere Qualifikation wahrgenommen, wodurch natürlich die Berufschancen steigen oder Gehaltsverhandlungen einfacher sind.

[Resümee]

Abschließend ist zu sagen, dass ein Praktikum im Ausland eine große Bereicherung ist, sowohl für die Karriere als auch für die eigene Entwicklung und kulturelle Erfahrung. Deswegen sollte man nicht vor dem damit verbundenen bürokratischen Aufwand zurückschrecken. Denn zu keinem Zeitpunkt ist man auf sich allein gestellt und wird an dieses Unterfangen hervorragend angeleitet.

Fortes Fortuna adiuvat = Den Tapferen hilft das Glück „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt“

Dustin-Drago Schuster, Schüler der CTA 23/2 an der BS 06