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Ersasmus+ Jerez de la Frontera

Frau Genova-Guhl hatte uns auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, an einem Auslandspraktikum teilzunehmen, und uns während des gesamten Bewerbungsprozesses engagiert betreut und unterstützt, wodurch diese wertvolle Erfahrung für uns überhaupt erst möglich wurde. Dann hatten wir auch schnell eine Zusage von Arbeit und Leben bekommen und es ging auch dann los.

Eine Woche vor Beginn des Auslandspraktikums fand bei Arbeit und Leben ein Kennenlernen mit allen Teilnehmenden statt. Dabei waren nicht nur die Gruppe aus Jerez, sondern auch Teilnehmende aus Sevilla, einer Stadt, die nicht weit von unserem Einsatzort entfernt lag. Durch verschiedene Kennenlernspiele konnten wir uns gut austauschen und als Gruppe zusammenfinden. Außerdem wurden organisatorische Themen wie Verträge und Versicherungen angesprochen, allerdings leider recht kurz.

Eine Woche später sollte die Reise dann auch schon beginnen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir weder Informationen zu unserem Praktikumsbetrieb noch zu unserem Wohnort erhalten, sodass zunächst unklar war, was genau auf uns zukommen würde. Etwa eine halbe Woche vor dem Abflug bekamen wir dann endlich Informationen zur Unterkunft. Insgesamt waren wir zu neunt in einem großen Haus untergebracht, das relativ zentral lag. Jede Person hatte ein eigenes Zimmer, auch wenn einige davon Durchgangszimmer waren – dennoch hat das Zusammenleben gut funktioniert. Es gab vier Badezimmer sowie eine Gemeinschaftsküche. Auch die Aufteilung der Küche und der Kühlschrankfächer funktionierte problemlos.

Unser Aufenthalt fand im November in Jerez statt. Zu dieser Zeit war es bereits etwas kühler, dennoch hatten wir tagsüber meist Sonne und angenehme Temperaturen zwischen 16 und 20 Grad Celsius – im Vergleich zu den Hamburger Verhältnissen also sehr angenehm. Besonders schön war die große Dachterrasse, auf der man nach der Arbeit noch die Nachmittagssonne genießen konnte. Abends wurde es allerdings schnell kalt. Das Haus war nicht für kaltes Wetter ausgelegt, was man vor allem in den letzten zwei Wochen Richtung Dezember deutlich gemerkt hat. Da nur wenige elektrische Heizungen vorhanden waren, wurde es abends im Haus teilweise sehr kalt.

Ich bin am Sonntag, den 09.11., in Sevilla angekommen und von dort aus mit Bus und Bahn etwa zwei Stunden nach Jerez weitergereist. Zum Glück hat alles gut funktioniert. Am Montag starteten wir mit einer kurzen Einweisung durch die Agentur vor Ort. Vereinbart war, dass wir um 10:30 Uhr abgeholt werden und eine kleine Stadtführung bekommen sollten. Leider kam die Ansprechpartnerin mit etwa einer Stunde Verspätung. Anschließend sind wir durch die Stadt gegangen und frühstücken gegangen.

Jerez de la Frontera ist eine sehr schöne, übersichtliche Stadt. Es ist eher ruhig, aber genau das hat ihren Charme ausgemacht. Wir waren häufig sehr gut essen und hatten zudem das Glück, während der beginnenden Weihnachtszeit dort zu sein. In dieser Zeit wird in Jerez  Zabombas gefeiert – ein traditionelles Straßenfest zum Einläuten der besinnlichen Zeit. Die Stadt war festlich geschmückt, und auf den Straßen wurde getanzt, gesungen und gefeiert.

Am Dienstag lernten wir dann unsere Praktikumsbetriebe kennen, deren Informationen wir erst kurz vor der Abreise erhalten hatten. Ich wurde einer Apotheke in einem Krankenhaus zugeteilt, die sich allerdings in einer anderen Stadt befand. Dadurch musste ich täglich etwa eine Stunde mit dem Bus nach Sanlúcar fahren. An diesem Tag wurden wir einzeln von der Agentur abgeholt, um kurz den Betrieb kennenzulernen und den Arbeitsweg gezeigt zu bekommen. Auch hier kam es leider zu deutlichen Verspätungen. Die Teilnehmenden, die in Jerez arbeiteten, gingen meist zu Fuß, da die Busse sehr unregelmäßig fuhren. Für Fahrten in andere Städte wurde ein Busticket benötigt, welches glücklicherweise von der IMOT-Agentur vor Ort gestellt wurde. Diese Busverbindungen waren zum Glück relativ zuverlässig.

Am Mittwoch begann dann mein erster Arbeitstag. Meine Arbeitskollegen waren sehr freundlich und haben mir zunächst alles erklärt und gezeigt. In der Apotheke wurden hauptsächlich die Medikamente für die Patientinnen und Patienten des nächsten Tages zusammengestellt. Die Tätigkeiten entsprachen zwar nicht direkt meinem Ausbildungsberuf, dennoch hat mir die Arbeit Spaß gemacht – vor allem wegen des großartigen Teams. Zwar konnten meine Kollegen nur wenig Englisch und ich kein Spanisch, aber am Ende des Praktikums konnte ich zumindest die Zahlen bis 50 und habe insgesamt eine sehr schöne Zeit dort verbracht.

Die Organisation der IMOT-Agentur vor Ort empfand ich jedoch als schwierig. Verspätungen waren an der Tagesordnung, und bei Anliegen oder benötigten Unterschriften wurde vieles eher unorganisiert und zwischen Tür und Angel erledigt.

Trotzdem haben wir unsere Zeit in Spanien super genutzt. Ich habe einen Tagesausflug nach Cádiz gemacht, der zu meinen schönsten Erinnerungen gehört. Ich bin früh morgens mit dem Zug gefahren und war innerhalb einer Stunde dort. Die Stadt habe ich zu Fuß erkundet und kann nur empfehlen, sich dafür ausreichend Zeit zu nehmen. Cádiz ist zwar nicht sehr groß, aber besitzt viel historischen Charme und hat eine besondere Atmosphäre. Obwohl dort mehr Tourismus herrscht als in Jerez, war davon außerhalb der Saison kaum etwas zu spüren.

Natürlich habe ich auch einen Tag in Sevilla verbracht, was ebenfalls sehr beeindruckend war. Sevilla ist definitiv einen Besuch wert. Allerdings merkt man hier deutlich, dass es eine Touristenstadt ist. Obwohl ich nur einen Tag dort war, konnte ich viele Sehenswürdigkeiten sehen. Der Eintritt zu einigen Attraktionen war jedoch recht teuer, und auf den Straßen war trotz Nebensaison viel los.

Die vier Wochen in Spanien vergingen sehr schnell und waren eine wertvolle und schöne Erfahrung. Ich würde ein Auslandspraktikum jederzeit wieder machen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ich habe viele schöne Erinnerungen gesammelt und bin sehr dankbar, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Ich kann ein Auslandspraktikum auf jeden Fall weiterempfehlen.

Und zum Schluss: Der Papierkram ist weniger aufwendig, als man zunächst denkt – also absolut machbar.