Auslandsaustausch vom 05.11.2025 bis 12.11.2025
Úna Camilla Scherer
Auszubildende, 2. Lehrjahr
Bot. Garten Hamburg
Als ich im September über die Berufsschule von dem Angebot erfuhr, im November für eine Woche nach Frankreich zu fahren, war ich sofort begeistert.
Vor allem die Vorstellung in der Nähe von Nantes zu sein fand ich sehr spannend, da ich schon früher Zeit in der Bretagne und Umgebung verbracht hatte und mir bewusst war, dass die Gegend unfassbar schön ist. Nicht zuletzt sah ich dies als Möglichkeit, internationale Kolleg*innen kennenzulernen und mein Französisch wieder aufzufrischen.
Da das offizielle Thema zu dieser Woche Friedhöfe war, welches nicht mein Fachgebiet ist, bereitete ich mich mental auf interessante neue Erkenntnisse und Erfahrungen vor.
Ich meldete mich rasch an, nachdem meine Ausbilder*in Sonja Helms und mein Ausbilder Benjamin Grenz freundlicherweise zugestimmt hatten.
Außer mir kamen noch drei andere Auszubildende aus Deutschland mit sowie Teilnehmer*in aus Lettland, Ungarn und den Niederlanden, dementsprechend auch jeweils eine Lehrkraft aus jeder der vertretenen Berufsschulen.
Anreise:
Am Mittwochmorgen, dem 05. November, machte ich mich also auf den Weg zum Hamburger Flughafen. Von dort flogen wir über Paris nach Nantes, wo wir am Flughafen direkt mit einem kleinem Minibus von Fabrice abgeholt wurden und zu unserem Hotel am äußeren Stadtrand von Guéraunde gefahren wurden, eine kleinere Stadt circa eine Stunde Autofahrt von Nantes entfernt in Richtung Atlantik Küste.
Unser Hotel lag direkt neben der Lycée professionell Olivier Guichard, der Berufsschule, die mit uns den Austausch organisierte. Den Rest des Tages lernten wir die Auszubildenden der anderen Länder kennen.
Die Stadt Guérande befindet sich in dem Departement Loire-Atlantique und war früher Teil der Region Bratagne, zwischen der Atlantikküste und der Mündung der Loire. Sie hat 16.804 Einwohner und das kleine, alte Stadtzentrum besteht aus gepflasterten Straßen und Fachwerkhäusern. Die Stadtmauer, die aus dickem Granit gebaut wurde, stammt aus dem 14. bis 15. Jahrhundert. In der Mitte des Marktplatzes steht eine alte Kirche und in den Gassen befinden sich viele kleine Läden und Restaurants, wo wir am Abend die traditionellen Galettes de Serrasin gegessen haben, Crépes aus Buchweizenmehl, zusammen mit Cídre aus Apfelsaft.
Das Gelände der Schule Olivier Guichard, auf dem wir am nächsten Tag eine Führung bekamen, beträgt ca. 20 Hektar und ist eingeteilt in verschiedene Bereiche, in denen Floristen und Friedhofsgärtner*innen ausgebildet werden. Außerdem hat die Schule ein eigenes Restaurant, welches von den Auszubildenden betrieben wird. Dort wurden wir mit einem selbst zusammengestellten Menü zum Mittagessen in Empfang genommen.
Teile der Schule sind auch eine Autowerkstatt, in der KFZ-Mechaniker*innen ausgebildet werden, sowie eine Fischproduktion.
Am Nachmittag arbeiteten wir alle zusammen mit der Floristikklasse in kleinen Gruppen und bastelten Gestecke. Zum Abschluss gab es ein „European Picknick“ wo wir Spezialitäten aus den verschiedenen Ländern verkosteten.
06. November:
Den Vormittag verbrachten wir mit den anderen Erasmus-Auszubildenden und Floristikschüler*innen, um weitere Gestecke fertig zu machen.
Am Nachmittag gab es zwei Vorträge zum Thema "Friedhofsgestaltung" und "Effiziente Nutzung der Flächen für Energiegewinnung". Vor allem der zweite Vortrag war sehr spannend. Es handelt sich um die St Joachim Gemeinde, die eng mit der Bri’energie kooperiert, um die Flächen über den Gräbern zu nutzen und mit Solarpanälen Energie zu erzeugen, die direkt vor Ort verbraucht wird.
Die gesamte Friedhofsfläche ist mit Solarzellen bedeckt und zu einem Drittel mit durchsichtigem Plexiglas, um die Lichtzufuhr auf die Gräber und Pflanzen zu gewährleisten. Die Bewohner*innen der Gemeinde zahlen einen Jahresbeitrag von 5 Euro für Wartungskosten. Sie erhalten vom Friedhof kostenfreien Strom für ihren gesamten Haushalt.
Am 8. und 9. November:
Ausflug und Besuch vom Gulf de Morbihan, eine große Bucht mit vielen Inseln in der südlichen Bretagne. Am Vormittag waren wir in der
prähistorischen Anlage von Locmariaquer und dann im Cemitiére des memoires (Friedhof der Erinnerungen).
Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug in das Fischerdorf Croisic gemacht. Es liegt an der Atlantikküste. Nach einem angenehmen Mittagessen in einem Fischrestaurant haben wir Sightseeing der Salzwiesen rund um Guéraunde unternommen.
Salzwiesen um Guéraunde:
Die Salzwiesen, welche in einer Art Lagune zwischen Land und Atlantik liegen, haben nur einen kleinen Zufluss von Meereswasser. Dort wird das berühmte Salz, genannt "Fleur de Sel", abgebaut. Es ist die teuerste Sorte Salz, die es gibt, weil die Beförderung sehr zeit- und personalaufwändig ist.
Die Wiesen sind in vielen unzähligen Becken aufgeteilt, in denen das Meereswasser von einem in das andere fließt, solange Flut herrscht. Die Tidendifferenz vor Ort beläuft sich auf ca. 6 bis 7 Meter und fällt somit sehr hoch aus. Alle drei Wochen lassen sich so alle Becken vollständig auffüllen.
Von einem Liter Meereswasser wird ca. 35 g Salz gewonnen.
Die Abbauzeit geschieht in den Monaten, in denen es weniger regnet und häufiger die Sonne scheint. So kann das Meereswasser verdunsten und wird die Kristallisation von Salz ermöglicht, Dies geschieht in der Regel von Mai bis Mitte Oktober. Ein sehr wichtiger dritter Faktor ist der Wind, der zu der Austrocknung der Becken beiträgt.
Die Salzkristallisation erfolgt auf zwei Weisen: In der unteren Schicht sammelt sich grobes, normales Meersalz an. Beispielsweise liefert ein Becken von 8 mal 8 Metern etwa 50 bis 60 kg Salz. Darüber kristallisiert sich die feine obere Schicht aus, das "Fleur de Sel", auf deutsch die "Salzblume". Auf gleicher Fläche ergibt das aber nur zwei bis drei kg Salz.
Der Salzabbau erfolgt noch per Hand. Die Tradition in der Region von Guéraunde reicht bis in das 9. Jahrhundert zurück und ist auch noch heute die Haupteinnahmequelle der Stadt, zusammen mit dem Tourismus, der dank des Abbaus entstanden ist.
Es gibt nicht nur enge Verbindungen zu der Kultur und Tradition der Region. In der speziellen, einzigartigen Landschaft von Meereswasser, Watt und Salzbecken hat sich ein besonders ausgeprägtes Ökosystem entwickelt. Die unmittelbare Meeresnähe hält das Klima im Winter sehr mild und maritim. Die salzigen, sandig-lehmigen Böden bieten einen ausgezeichneten Standort für Salz liebende Flora, auch viele Fauna Arten wie der Pharaonenibis (Threskiornis aethiopicus) und der Silberreiher (Ardea alba) fühlen sich dort wohl.
An den Säumen der Salzbecken wachsen recht kleine, meist kompakte Pflanzen. Durch das Salz im Wasser und Boden weisen die Pflanzen einen hohen Salzgehalt in den Blättern auf, so dass sie Wasserverlust durch Osmose verhindern.
Gesichtet habe ich zum Beispiel die Strand-Aster (Tripoliumpannonicum, früher Aster tripolium), Strandflieder (Limoniummaritimum) und Salicorne, Kleine Salzmelde (Suaedaprostata), welche sehr salzig schmeckt und essbar ist. Auch die Keilmelde oder Salzmelde, auf Französich "Obionne", wächst dort in den lehmig-salzigen Böden.
Auch die Strand-Sode (Suaeda maritima) frz. "Suaeda" wächst vor Ort und und wurde früher zur Seifenherstellung verwendet.
Die Becken werden außerdem auch für die Austernsäuberung verwendet. Der Anbau der Muscheln erfolgt draußen im Meer an Metallkäfigen, an denen die Austern wachsen. Nach der Ernte werden sie circa eine Woche lang in Netzen in die Becken gelegt, wo sie zweimal pro Tag vom Hochwasser überspült werden. Da der Salzgehalt der Lagunen niedriger ist als im Meer, werden sie so entsalzen und können dann roh gegessen werden.
Am Montag haben wir in Gruppen von zwei bis drei Schüler*innen aus der Garten- und Landschaftsbauklasse des Lycée zusammengearbeitet. Dazu haben wir ein Grab angelegt, angelehnt an die Grabvorschriften in Frankreich.
Ich war zusammen mit zwei Franzosen in einer Gruppe und schlug Nachhaltigkeitsthemen vor wie die Abdeckung mittels einer Rindenmulschschicht gegen Erosion.
Die ausgewählten Pflanzen für unser Grab waren: Cinerariamaritima `Silver Dust`, Salvia rutilans (Ananassalbei), Viola cornuta (Hornveilchen), Carex howarrdii `Phoenix green` (die Garten-Segge) sowie Euphorbia amygdaloides (Mandelblättrige-Wolfsmilch).
Am Dienstag sind wir nach Nantes gefahren, um dort an der Zeremonie des 11. November teilzunehmen. Dieser Tag ist in Frankreich ein nationaler Feiertag und erinnert an das Ende des Ersten Weltkriegs. Es wurden vier Personen aus den vier anwesenden Erasmus-Ländern ausgewählt, die gemeinsam den zuvor angefertigten Kranz in der Zeremonie niederlegten.
Am Nachmittag besuchten wir dann den Arburetum Cemitièreparc de Nantes, ein sehr naturnaher Friedhof und Park.
Der Parkfriedhof teilt sich in viele unterschiedliche Bereiche auf.
Sehr spannend empfanden wir den Bereich mit Koniferen, in dem Chamaecyparis und Küsten-Mammutbäume standen. Dort werden die Urnen nicht vergraben, sondern es wird nur die Asche unter den Bäumen verstreut. Viele Blumen, vor allem Chrysanthemen, die in Frankreich als Totenblumen gelten, sind dort abgelegt. Interessant ist, dass die Pflanzen ohne Töpfe oder Plastikvasen in den Wald gelegt werden. Dadurch wird eine vollständige und nachhaltige Kompostierung ermöglicht. Es gibt auch Schilder, die daraufhin weisen.
Es sind auch viele frisch gepflanzte Gehölze und Sträucher dabei, die ich vorher noch nie gesehen hatte - sehr spannend!
Ein anderes interessantes Konzept ist die Eigenproduktion von Schnittblumen, die auf einer freien Fläche des Friedhofs angebaut werden und von den Angehörigen jederzeit geerntet werden können, um die Gräber der Verstorbenen zu schmücken.
Am nächsten Morgen ging es zum Flughafen und für uns, nach einer schönen, erfahrungsreichen Woche, wieder zurück nach Hamburg!
Hamburg, den 22. Feb. 2026











