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Bericht zum ERASMUS- Schulflow 2025 in Vilnius

Sveiki! So sagt man Hallo in Litauen. Wir sind Hannes, John, Anneke, Ananya und Caro. Wir durften als Teil von dem diesjährigen Erasmus+ Schulflow von der BS06 für 4 Wochen nach Vilnius in Litauen reisen.

Unsere Reise startete am 06.07. mit dem ca. einstündigen Flug von Hamburg nach Vilnius. In unserer Unterkunft angekommen, einem co-living Haus, wo jeder seinen eigenen Raum mit Bett, Badezimmer, Schreibtisch und kleiner Küchenzeile hatte. Unter anderem gab es auf jeder Etage eine ausgestattete Küche, einen Wäscheraum und auch Gemeinschaftsräume zum Lernen oder um sich sportlich zu betätigen.

Um den Sonn- und auch Feiertag direkt ordentlich zu nutzen, wurde gleich der nächste Supermarkt ausgetestet werden und es ging zu Fuß auf Sightseeing-Tour. Uns zog es in die Innenstadt und wir besichtigten einige sehr imposante Kirchen und die Burg von Vilnius, die in der gesamten Zeit nicht nur einmal erklimmen wurde, um die Sonnenuntergänge anzuschauen. Der erste Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen auf der Dachterrasse unserer Unterkunft.

Von Seiten der Partnerorganisation T.O.R.O lief nicht immer alles glatt. Die Kommunikation gestaltete sich etwas schwierig, aber alle Teilnehmenden haben am Ende dank Eigeninitiative einen Praktikumsplatz gehabt.

Ananyas Erasmus+ Erfahrungen:

Mein einmonatiger Aufenthalt im Fachbereich Organische Chemie der Universität Vilnius war für mich eine ganz besondere und prägende Erfahrung. Schon die Vorfreude war groß, denn es war meine erste Reise außerhalb Deutschlands.

Im Vergleich zu meiner Tätigkeit als CTA-Schülerin an der BS06 war diese Erfahrung völlig neu und anders: Während wir im CTA-Unterricht normalerweise streng nach Anleitungen arbeiten und Experimente Schritt für Schritt exakt ausführen, mussten wir in Vilnius unsere Experimente selbst entwerfen. Ich habe dabei gelernt, dass eine Synthese, die theoretisch sehr einfach aussieht, in der Praxis oft viel schwieriger umzusetzen ist. Diese Erkenntnis war für mich sowohl herausfordernd als auch faszinierend.

Zusammen mit Anneke und John bildeten wir ein kleines Team, in dem wir uns bei den praktischen Arbeiten abwechselten, Ideen austauschten und die Reaktionsbedingungen bei jedem neuen Versuch leicht abänderten. Manchmal fehlte uns die Geduld – und wir mussten lernen, dass Wissenschaft vor allem Geduld bedeutet. Unsere Betreuerin erzählte uns sogar, dass sie selbst schon seit einem Jahr versucht, etwa 10 Gramm des gewünschten Produkts zu synthetisieren und dass sie unsere Erfahrungen und Beobachtungen in ihre weiteren Versuche mit einfließen lassen möchte.

Unser Projekt beschäftigte sich mit einem Boron-Acrylamid-Derivat (BoMAF), einem möglichen Bestandteil von wasserbasierten, druckempfindlichen Klebstoffen, die als nachhaltige Alternative zu Plastikfolien und Klebebändern eingesetzt werden könnten. Auch wenn wir unser Ziel nicht erreicht haben, war es eine wertvolle und lehrreiche Forschungsarbeit.

Johns Erasmus+ Erfahrungen:

In der ersten Woche hatte ich aufgrund des Versagens der Partnerorganisation keinen Praktikumsplatz. Das war allerdings kein großes Problem, da Vilnius als Stadt genug zu bieten hat. So habe ich die erste Woche genutzt, um die Stadt zu erkunden, zum Fußball zu gehen und auch um die etwas außerhalb des Zentrums liegenden „Stadtstrände“ zu besuchen.

Ich hatte das Glück, das Praktikum ab der zweiten Woche gemeinsam mit Ananya und Anneke an der „Faculty of Chemistry and Geoscience“ beginnen zu können.

Wir haben viel als Gruppe zusammen in Vilnius unternommen und ich hatte trotz Startschwierigkeiten insgesamt eine tolle Zeit.

Annekes Erasmus+ Erfahrungen:

Ich habe mein Erasmus+ Praktikum an der Universität Vilnius an der „Faculty of Chemistry and Geosciences“ gemacht. Gemeinsam mit John und Ananya durfte ich dort an einem Projekt zu Pressure Based Adhesive Technologies mitarbeiten. Uns wurde eine Molekülstruktur vorgegeben, die wir versuchen sollten zu synthetisieren. Dafür haben wir uns zunächst in die Theorie eingearbeitet, viele Research-Papers gelesen und gemeinsam einen Plan entwickelt.

Unter der Anleitung unserer Supervisorin Dr. Greta Merkininkaitė begannen wir mit der ersten Synthese. Eine einzelne Synthese dauerte oft sieben bis acht Stunden, weshalb sich ein Durchlauf meist über zwei bis drei Arbeitstage zog. Ziel war es, einen rötlichen Klebstoff zu erzeugen, den wir anschließend mit dem Rotationsverdampfer vom Lösemittel trennen sollten. Einmal hatten wir tatsächlich ein rötliches Produkt im Kolben, die Freude war groß. Nach der NMR-Spektroskopie stellte sich jedoch heraus, dass es nicht das gewünschte Molekül war.

Dennoch war das eine wertvolle Erfahrung, denn schon unsere Supervisorin forschte seit Monaten an demselben Thema. Auch wenn wir das Zielprodukt nicht erreichen konnten, habe ich unglaublich viel über Forschungsarbeit, Sicherheit, Organisation und den Unterschied zwischen Universitätslabor und Schule gelernt.

Besonders spannend fand ich den kulturellen Austausch. Viele Abläufe waren anders als in Deutschland und manchmal mussten wir uns mit Händen und Füßen verständigen, wenn das Fachenglisch für bestimmte Laborbegriffe oder Tätigkeiten einfach schwer zu übersetzen war.

Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich Arbeit und Kommunikation in einem internationalen Forschungsteam ablaufen können.

Hannes Erasmus+ Erfahrungen:

An meinem ersten Tag hat mich die Koordinatorin Sandra Sitnikaitė zum staatlichen Naturforschungszentrum (Gamtos tyrimų centras, kurz GTC) gebracht. Im Labor für Pflanzenpathologie (Augalų patologijos laboratorija) durfte ich verschiedene Nährböden für Mikroorganismen ansetzen. Hier kam mir der Ausbildungsblock in der Mikrobiologie bei Dr. Weigert zugute. Um meinem Ausbildungsplan als Ausbildender Chemielaborant zu folgen, habe ich auch in andere Abteilungen wie dem Labor für Chemische Ökologie (Cheminės ekologijis ir elgsenos laboratorija) schnuppern können. Hier durfte ich einer Doktorantin bei Grundlagenforschung zu litauischen Nematodenarten, aber auch anderen Wissenschaftler:innen helfen. Interessant fand ich hier die Verknüpfung von Biologie und Chemie: Mit Solid Phase Microextraction (SPME) wurden in einigen Versuchen flüchtige organische Stoffe wie Hormone von Käfern gesammelt und später mit Gaschromatografie (GC-MS) analysiert. Ein Highlight war auch die Entnahme von Bodenproben im ganzen Land. Mit meinen Kolleg:innen konnte ich viele ländliche Teile Litauens erkunden. Unterwegs habe ich viele Störche gesehen. Sie sind das Nationaltier.

Caros Erasmus+ Erfahrungen:

Ich durfte meinen Betreuer von „MKDS“, einer kleinen Firma außerhalb von Vilnius, am Dienstag kennenlernen. „MKDS“ verkauft unter anderem Dünger und Blumenerde und hat ein kleines privates Labor, welches für mich als Chemielaborantin interessant war. In diesen 4 Wochen durfte ich jeden Tag 8 Stunden an einem Projekt mit verschiedenen Leonarditen arbeiten, indem ich schlussendlich nachweisen konnte, dass die Arbeitsvorschrift fehlerhaft, die zu den abweichenden Werten von dem zu untersuchenden Leonardit geführt haben. Für alle Interessierten: Leonardit ist von Natur aus ein nachhaltiger und effizienter Rohstoff, der durch Verwitterung aus Ablagerungen von Braunkohle entsteht. Obwohl ich pro Strecke zur Arbeit meist fast 1,5h brauchte und es dementsprechend sehr lange und auch anstrengende Tage waren, bin ich dankbar dafür, in einem Labor gewesen zu sein, wo es nicht auf den Profit und die schnelle Abfertigung der Proben ankommt. Es gab auch den Freiraum, das Projekt auch gerne 5x mal in einer anderen Arbeitsweise zu wiederholen, um die Ursache für die abweichenden Werte herauszufinden.

Was haben wir neben der Arbeit erlebt?

Im Feierabend haben wir oft zusammen gekocht und die Mahlzeiten miteinander geteilt. Es wurde fast zu einem kleinen Ritual, dass wir uns gegenseitig nach dem Tag gefragt haben, uns umeinander gekümmert haben und einfach Zeit zusammen verbrachten. Diese gemeinsamen Abende – beim Kochen, Essen, Lachen und Erzählen – haben für uns eine besondere Wärme geschaffen und unsere Freundschaft gestärkt.

An den Wochenenden haben wir meist als kleine Gruppe die Zeit genutzt, um das Land und die Kultur ein wenig näher kennen zu lernen. Vilnius teilte sich entlang der Neris in die Altstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und der Neustadt auf, die sich mit einigen Hochhäusern auftut. Hervorheben möchten wir vor allem, dass sich Vilnius fußläufig oder mit dem Bus gut erkunden lässt, da unsere Unterkunft direkt am Hauptbahnhof lag. Sehr angenehm war es, dass die Stadt noch nicht dem Massentourismus verfallen ist.

Nicht nur zusammen auch allein sammelte jeder seine persönlichen und neuen Eindrücke, manchmal auch nur bei einem Spaziergang in eine Straße oder Viertel, welches noch nicht besichtigt wurde, beim Einkauf im Supermarkt oder beim Ausprobieren von traditionellen Gerichten. In langer Erinnerung wird wohl die kalte „pink soup“ bleiben, bestehend aus Rote Beete, die im Sommer sehr beliebt ist. Und die „Cepelinai“, die wie Kartoffelklöße waren und beliebig gefüllt werden konnten.

Beispielsweise plante Ananya spontan einen Trip zum berühmten „Berg der Kreuze“ in Šiauliai, wo sie viel über die historische und kulturelle Bedeutung dieses Ortes lernte. Und wir unternahmen einen Trip nach Trakai, die ehemalige Hauptstadt von Vilnius mit ihrer bekanntesten Sehenswürdigkeit einer Wasserburg.

Lange in Erinnerung wird uns auch das 702 Years Anniversary Festival of Vilnius bleiben. Litauische Top-Künstlern, von denen wir in Deutschland noch nie was gehört haben, traten auf (100% Vibe, 0% Language).

Ein weiteres Highlight war ein Trip für 2 Nächte nach Riga in Lettland. Eine bedeutsame Hansestadt, was sich bis heute im Stadtbild widerspiegelt und es definitiv bestätigt, dass das Baltikum insgesamt eine große Empfehlung für die nächste Reise ist. Es gibt so viele schöne Orte, Kleinstädte und Natur, die es lohnend machen auch Osteuropa zu bereisen!

Unser Fazit:

Auch wenn nicht alles rosig war durch den Ausfall der Partnerorganisation, ist Erasmus+ eine ganz tolle Sache, die einem die Möglichkeit bietet, ganz viele neue Erfahrungen zu sammeln, Fachwissen vertieft und auch daran zu wachsen. Und man muss sagen, dass man ja nie ganz allein reist, sondern man immer neue Bekanntschaften oder Freundschaften schließt, die einem gegenseitig helfen. Unser Fall stellt bisher eine große Ausnahme dar und soll ganz und gar nicht abschrecken, sondern kann Mut machen, denn wir waren nicht allein mit unseren Sorgen. Wir hatten ständigen Kontakt mit Arbeit und Leben und auch mit Frau Genova-Guhl (vielen Dank nochmal), die sich selbst am Wochenende und in den Sommerferien um uns gesorgt und immer nach Lösungen gesucht haben!

Insgesamt können wir jedem Interessierten nur empfehlen, sich für ein Auslandsaufenthalt zu bewerben, weil es eine sehr einfache Möglichkeit ist, die wenig Aufwand und Vorbereitung erfordert und die Erfahrungen und Erinnerungen für immer bleiben werden.