Hallo, mein Name ist Erik. Im Rahmen meiner BTA-Ausbildung ist mir das große Privileg zuteilgeworden, ein Auslandspraktikum in Finnland in Oulu an der gleichnamigen Universität zu machen. Meine Intention ist es, euch einen Einblick in den Aufenthalt zu geben. Dabei will ich über die Arbeitsgruppe sprechen, in der mein Praktikum stattgefunden hat, und über alle weiteren Erfahrungen abseits der Arbeit sprechen.
Fangen wir an mit dem Praktikumsplatz. Meine Praktikumszeit habe ich in der AG um Herrn Prof. Kietzmann verbracht. Hierbei handelt es sich um eine Hypoxie-Arbeitsgruppe. Inhaltlich will ich hier nicht allzu viel sagen. Wer sich im Vorhinein darüber informieren will, was in keinster Weise eine Voraussetzung für mich war, um dort zu arbeiten, sollte unter dem Begriff einige Publikationen finden. Einige meiner Labortätigkeiten involvierten Western Blot, Zellkultur, PCR, Colony-Formation-Assay und MTT-Assay. Es gab aber auch andere Methoden, wie z.B. qPCR, die dort angewendet wurden. Ich selbst durfte und sollte nach meinem Verständnis dabei relativ schnell eigenständig arbeiten, was einerseits ein gewisses Maß an Selbstverantwortung und Freiheit in der Gestaltung des Laboralltags mit sich brachte, aber zumindest auf mich teils auch mit Stress verbunden war.
Zu den Leuten in der Arbeitsgruppe sei gesagt, dass es sich in der Konstellation, die ich erlebt habe, allgemein um nahbare, aufgeschlossene, soziale und verständnisvolle Individuen handelte. Für die Beantwortung methodischer und theoretischer Fragen war zumeist Zeit und die aufgeschlossene Art der Leute lud dazu ein, an gemeinschaftlichen Zusammenkünften in Form von Restaurant- oder Mensabesuchen sowie nachmittaglichem Klönschnack teilzunehmen.
Mein Alltag außerhalb des Praktikums sah folgendermaßen aus: Ich habe eine mit meinem Jahrgangskameraden Can, der hier auch einen Bericht über den Aufenthalt hat, geteilte Air- B&B-Wohnung mit genug Platz für vier Leute, die komfortabel und modern eingerichtet war. Zudem war sie praktisch im Stadtzentrum situiert und die Mietkosten unter diesen Bedingungen human. Die Universität war mit 30 Minuten Fußweg unweit entfernt und das Angebot nahegelegener Lokale, Bistros sowie Supermärkte ziemlich groß. Busanbindungen vernetzen die Stadt sehr gut und Tickets sind günstig. Eine Zuganbindung für Tagesausflüge wie nach Rovaniemi, einem beliebten Ziel für Touristen, ist also auch möglich. Meine erlebnis- und expeditionsfaule Natur hat solcherlei Möglichkeiten während des Aufenthalts nicht wirklich zugelassen, auch wenn sie, wie bereits beschrieben, sehr greifbar waren. Die Stadt bot zudem große kulinarische Vielfalt. Vertreten waren u.a. indische, chinesische und äthiopische Restaurants. Viel Natur unweit der Stadt gab es ebenfalls, sodass ich auch trotz meiner Abenteuerunlust sehr auf meine Kosten gekommen bin.
Eine Sache, die unbedingt Erwähnung finden muss, sind die Witterungsbedingungen im Kontext des viermonatigen Aufenthalts. Was ich damit meine, sind die Bedingungen Wetter und die begrenzte Anzahl an Sonnenstunden, denen man im Fall meines Aufenthaltszeitraums von Anfang September bis Mitte Dezember unweigerlich ausgesetzt ist. Temperaturen im zweistelligen Minusbereich, Glätte und Schneefall sind mit Sicherheit nicht für jedermann etwas, auch wenn sie meines Erachtens mit der richtigen Kleidung umgangen werden können. Einen viel gravierenderen Einfluss hatten die wenigen Sonnenstunden auf mich. Das möchte ich einmal etwas genauer ausführen. Ab einem gewissen Zeitpunkt, es müsste Mitte November gewesen sein, nehmen die Sonnenstunden merklich ab in Oulu. In Dunkelheit zur Arbeit zu gehen und nach Hause zu kommen, kann belastend sein. Vor allem kann es dann belastend sein, wenn man keinen Rückhalt in Form eines guten Freundes/Freundeskreises hat. Mit Sicherheit waren meine Arbeitskollegen sehr nett und man wuchs über die Monate auch enger zusammen, aber ersetzbar durch einen engen Vertrauten war es trotzdem nicht. Am ehesten kam Can an eine solche Person heran, da wir uns durch die WG unweigerlich besser kennen und verstehen lernten, was auch nicht selbstverständlich ist und dennoch sehr wichtig für mich war.
Ich möchte an dieser Stelle nochmal ausdrücklich erwähnen, dass die hier geschilderte Erfahrung auf meiner persönlichen Wahrnehmung basiert. Ich rate also dazu, dass, wenn du dir ein Auslandspraktikum in Oulu grundsätzlich vorstellen kannst, du einerseits Cans Bericht lesen solltest und, wenn du mehr Informationen willst, du uns und vorherige Absolventen des Auslandspraktikums in Oulu konsultieren solltest. Abschließend habe ich noch eine kleine Collage mit Bildern aus Oulu mitgebracht, die einen illustrativeren Einblick in meinen Aufenthalt geben soll. :)





