Hallo!
Mein Name ist Eva, ich bin eine BTA-Schülerin aus dem Jahrgang 2023 und ich durfte im zweiten Lehrjahr meiner Ausbildung ein Auslandspraktikum an der Arctic University of Norway (UiT) in Tromsø absolvieren.
Wie entstand die Idee?
Meine Eltern sind 2017 in die wunderschöne Stadt Tromsø in Nord-Norwegen gezogen. In den vergangenen Jahren war ich stets auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihre Wahlheimat besser kennenzulernen. Am Anfang meiner Ausbildung erfuhr ich, dass die BS 06 ihren Schülerinnen und Schülern Auslandsaufenthalte mit Erasmus+ ermöglicht. Ich ergriff die Chance und durchstöberte die Webseite der UiT nach Arbeitsgruppen im Bereich Pflanzen- und Mikrobiologie. Nach einem überaus freundlichen E-Mail-Austausch mit einer AG-Leiterin wickelte sich meine Bewerbung blitzschnell ab. Im November 2023 habe ich mir schließlich einen Praktikumsplatz von Anfang September bis Ende Dezember 2024 in der AG Microorganisms and Plants gesichert.
Wie kam ich dorthin?
Ich startete mit der Organisation meines Auslandspraktikums im November 2023. Dank der zuverlässigen und tatkräftigen Unterstützung der zuständigen Lehrkraft der BS 06 Stefka Genova-Guhl, der Mobilitätsagentur sowie der AG-Leiterin an der UiT stand ich Ende August kurz vor meiner Reise nach Tromsø. Am 29. August, einen Tag vor dem Abflug, stand noch viel auf meiner To-Do-Liste. Vor einem viermonatigen Aufenthalt wird das Vermögen, langfristig zu planen, ordentlich gefordert: Welche Unterlagen werde ich im Laufe meines Verbleibs benötigen? Wie viel Kleidung soll ich mitnehmen? Bekomme ich alles in mein Gepäck? Lohnt es sich, zusätzlich ein Päckchen per Post loszuschicken? Am 30. August flog ich endlich Richtung Norden und kam ohne nennenswerte Vorfälle in der Wohnung meiner Eltern an, wo ich die nächsten vier Monate verbringen sollte.
Was waren meine ersten Eindrücke?
Als ich am ersten Abend im Bett lag, klopfte es an der Tür meines Schlafzimmers: Meine Mutter hat vom Balkon aus Polarlichter erblickt! In den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Sonnenstunden abnehmen, sind Polarlichter in Tromsø eine alltägliche Erscheinung. Solange einem keine Wolkendecke oder Lichtverschmutzung einen Strich durch die Rechnung zieht, lassen sich die tanzenden Lichtschweife am Himmel regelmäßig erblicken – je nach Sonnenaktivität zum Beispiel einige Male in der Woche oder im Monat. Generell stehen Tromsø und Umgebung ganz im Zeichen der unberührten Natur. Von der Insel aus – denn die Stadt Tromsø liegt zum Großteil auf einer Insel – blickt man in alle Richtungen auf Berge. An dieser Kulisse, die je nach Jahreszeit und Wetter andere Farben annimmt, konnte ich mich bis zum Ende meines Aufenthaltes nicht sattsehen. Wandern lässt es sich in den Bergen auch wunderbar und wer will, kann sogar in die Welt des Skifahrens eintauchen. Die Berge haben jedoch einen großen Nachteil: Man kommt aus Tromsø ohne Auto oder Flugzeug schlecht weg. In das Umland fahren meist nur unter der Woche Busse, die stundenlang durch die Täler “gurken”. Ein Ausflug ans offene Meer oder nach Finnland lohnt sich aber definitiv, sodass sich die meisten Austauschstudenten und -praktikanten letztendlich doch ein Auto mieten und die Fahrt auf sich nehmen. Als Fahrer darf man sich dann nicht zu sehr durch die atemberaubende Landschaft ablenken lassen.
Wie war das Praktikum?
Für tolle Ausblicke musste ich nicht einmal unbedingt aus der Stadt heraus, denn durch die Fenster der Labore der AG Microorganisms and Plants hatte ich immer Berge und Meer im Blick. Das war besonders praktisch, wenn ich gerade das Ende eines PCR-Laufs abgewartet oder meine Proben aufgetaut habe. Viel Wartezeit zum Überbrücken hatte ich jedoch nicht: Die AG-Leiterin hatte ein volles Programm für mich vorbereitet. So durfte ich in den letzten warmen Tagen des Jahres eine Postdoc bei ihrer Feldarbeit im Wald unterstützen. Danach tauchte ich in das Projekt eines Doktoranden ein, der mithilfe von gerichteter Evolution die Aktivität eines pflanzlichen Enzyms optimiert. Ich wurde in vollem Umfang in dieses Vorhaben integriert und durfte alle praktischen Arbeiten ausführen, die für das Projekt relevant sind. Zu meinen täglichen Aufgaben gehörten PCRs, Enzymverdaus, Ligationen, Agarosegelelektrophoresen, bakterielle Transformationen, die Kultivierung von E. coli und das Screening des exprimierten Enzyms. Selbstverständlich übernahm ich auch routinemäßige Arbeiten im Labor wie Autoklavieren, Plattengießen sowie das Ansetzen von Stocklösungen und Medien. Als Praktikantin wurde ich stets als vollwertiges Mitglied der AG behandelt und zu allen Gruppenmeetings, Seminaren und Freizeitaktivitäten eingeladen. Generell begegnete ich am Arbeitsplatz ausschließlich freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Ich ging sehr gerne zur Arbeit, habe reichlich dazugelernt und fühlte mich rundum bestens aufgehoben.
Wie habe ich meine Freizeit verbracht?
Nach der Arbeit nahm ich zweimal pro Woche am kostenfreien Norwegischkurs der UiT teil, der für Austauschstudierende sowie andere Mitarbeitende aus dem Ausland angeboten wird. Im Kurs sprachen wir nicht nur über die norwegische Sprache, sondern auch über die Kultur - und in der letzten Stunde des Jahres gab es sogar eine Verkostung von julebrus, einem Erfrischungsgetränk, das in Norwegen immer in der Weihnachtszeit getrunken wird. Allgemein hat es so kurz vor Weihnachten nicht an Veranstaltungen gefehlt, sei es nun an der Universität selbst oder in der Stadt. Generell ist Tromsø in dieser Jahreszeit trotz der rasch abnehmenden Sonnenstunden absolut zauberhaft: Es gibt zwar keine Weihnachtsmärkte, wie man sie aus deutschen Städten kennt, aber alle Häuser und Geschäfte sind liebevoll dekoriert und nach einem Spaziergang durch den frisch gefallenen Schnee lädt der allgegenwärtige kanelsnurr-Geruch zum Verweilen in einem gemütlichen Café ein. Doch viele Norweger wenden eine weitere Strategie an, um durch die Dunkelheit zu kommen: Sie nutzen jede Gelegenheit, um sich draußen aufzuhalten. So bin auch ich im kniehohen Schnee und bei Minusgraden mit zwei meiner Mitarbeitenden den Berg Rødtinden hochgewandert, und fühlte mich danach sofort ein wenig besser in die Kultur integriert.
Was nehme ich aus meiner Zeit in Tromsø mit und was sind meine Tipps für ein gelungenes Auslandspraktikum mit Erasmus+?
Die Tromsø-Erfahrung lässt sich nicht verallgemeinern, da sich die facettenreiche Region von einer Jahreszeit auf die nächste grundlegend verändert. Hat man die Wahl zwischen mehreren Praktikumszeiten, sollte man sich gut überlegen, von welcher Seite man die Stadt erleben möchte. Manche empfinden es als spannendes, einmaliges Erlebnis, dass sich die Sonne wochenlang nicht blicken lässt. Andere wiederum möchten die norwegische Natur in all ihrer Pracht erleben und verzichten dafür auf die Chance, Polarlichter zu sehen und durch kniehohen Schnee zu trampeln. Zu lange sollte man allerdings auch nicht überlegen: Der Organisationsaufwand für das Auslandspraktikum darf nicht unterschätzt werden und erfordert reichlich Vorlaufzeit. Man sollte auch nach einer erfolgreichen Bewerbung stets am Ball bleiben und mit allen Parteien regelmäßig in Kontakt stehen, um sicherzustellen, dass alle auf dem neuesten Stand bleiben und keine Missverständnisse auftreten. Zudem sollte man sich rechtzeitig um eine Unterkunft kümmern und vor dem Praktikumsstart genügend Geld beiseitelegen, um trotz der recht hohen Preise gut über die Runden zu kommen. Zuletzt ist wetterfeste Kleidung ein Must-Have für Tromsø: Mit einer Regen- oder Winterjacke und einem Paar wasserdichten Schuhen kann man sich von dem - auch im Sommer - wechselhaften Wetter unabhängig machen und das gesamte Erlebnis mitnehmen.




